Universität Stuttgart, Institut für Literaturwissenschaft, Digital Humanities

Digital Humanities – Digitales Wissen, Ringvorlesung, Wintersemester 2018/19, Ankündigung

Theoretische und informatische Grundlagen der Digital Humanities, Einführungskurs, Wintersemester 2018/19

Netzwerk Stuttgarter Schule, Seminar, Sommersemester 2018, Ankündigung

Computational Creativity. Goethe’s Anyone’s Werke reloaded, Projektseminar, Sommersemester 2018, Ankündigung

Schönheit messen. Geschichte und Theorie der Informationsästhetik, Seminar, Wintersemester 2017/18, Ankündigung

Theoretische und informatische Grundlagen der Digital Humanities, Einführungskurs, Wintersemester 2017/18

Publikumsrezensionen, Projektseminar, Sommersemester 2017, Ankündigung

Publikumsrezensionen aus gattungstheoretischer Perspektive, Sommersemester 2017, Ankündigung

Digitale Poesie, Seminar, Wintersemester 2016/17, Ankündigung

Theoretische und informatische Grundlagen der Digital Humanities, Einführungskurs, Wintersemester 2016/17

Seminare wurden, wo nicht anders vermerkt, polyvalent in den Studiengängen Digital Humanities (M.A.), Lehramt Deutsch und Germanistik (B.A.) angeboten. Projektseminare und Einführungskurse waren Veranstaltungen im Masterstudiengang Digital Humanities. Die Ringvorlesung im Wintersemester 2018/19 war öffentlich und darüber hinaus Teil eines Moduls im Masterstudiengang Digital Humanities.

Universität Greifswald, Institut für deutsche Philologie

Wenn nicht anders gekennzeichnet waren die Seminare im Studiengang B.A. Germanistik verortet.

Friedrich von Hardenberg: Das Allgemeine Brouillon, Aufbaumodul Literaturgeschichte, Sommersemester 2015

Digitale Poesie, Aufbaumodul Literatur, Kultur, Medien, Wintersemester 2014/15

Grundlagen Textanalyse, Aufbaumodul Grundlagen Textanalyse, SS 2014

Barthold Heinrich Brockes’ Irdisches Vergnügen in Gott in ökokritischen Perspektiven, Aufbaumodul Literatur und Kulturwissenschaft, WS 2013/14, Ankündigung

Literaturgeschichten, Mikromodul Wissensgeschichte und Wissenschaftsgeschichte, SS 2013

Konkrete Poesie und Kybernetik, Aufbaumodul Literaturgeschichte Neuzeit, WS 2012/13

Ästhetik und Poetik der Frühromantik, Aufbaumodul Literaturgeschichte Neuzeit, SS 2012

Goethes meteorologische Studien, Proseminar (Lehramt Gymnasium und Lehramt Regionalschule), WS 2011/12

Medientheorien, Modul Literaturgeschichte Neuzeit, Seminartyp Literaturtheorie I, SS 2011, Ankündigung

Grundkurs A: Textanalyse, Basismodul, WS 2010/11

Szenen des Verstehens in Literatur und Wissenschaft um 1800, Mikromodul Wissensgeschichte und Wissenschaftsgeschichte, SS 2010

Literatur – Wissen – Wissenschaft, Aufbaumodul Literaturgeschichte Neuzeit, WS 2009/10

Université Paris 8 Vincennes – Saint-Denis

Insgesamt sechs (2x3) Seminare à 3 Semesterwochenstunden zur Sprach- und Landeskunde für Studierende der Germanistik (Propädeutikum) und für Studierende aller Fachrichtungen, Studienjahr 2008/09.

Humboldt-Universität zu Berlin

fremde.theorien, zweisemestriges Projekttutorium, Studienjahr 2006/07

Ausgewählte Seminarankündigungen

Ringvorlesung Digital Humanities – Digitales Wissen

Vortragsreihe, Wintersemester 2018/19

Im Rahmen der Ring-Vorlesung geben Dozentinnen und Dozenten einen Einblick in Projekte, Fragestellungen und Methoden der Digital Humanities. Dabei geht es sowohl um Einführung und Überblick grundlegender Ansätze als auch um die Präsentation von aktueller Forschung und Forschungsergebnissen.

Im Wintersemester 2018/19 widmet sich die Ring-Vorlesung dem Thema “Digitales Wissen”. Damit ist erstens ein Wissen in digitaler Form gemeint, also digital gestützte Methoden und digitale Gegenstände. Einige Vorträge präsentieren in diesem Zusammenhang laufende Arbeiten und Ansätze etwa in der Netzwerkforschung und in der computergestützten Textanalyse. Zweitens meint “Digitales Wissen” auch ein Wissen vom Digitalen, also die Frage danach, was es für eine Methode bedeutet, dass sie digital gestützt ist, und welche Besonderheiten ein digitales Objekt aufgrund seiner digitalen Konstitution aufweist. Was analysieren wir, wenn wir digitale Texte analysieren? Welche neuen Möglichkeiten bieten Bilder, die von Anfang an digital entstehen, für eine kunstwissenschaftliche Analyse, und was bedeutet die Digitalität dieser Bilder für einen kunstwissenschaftlichen Begriff von ‘Bild’? Und schließlich: Welche Folgen hat die Anwendung von maschinellem Lernen für den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess und für wissenschaftliche Begründungszusammenhänge? Was bedeutet die Algorithmisierung von sozialen Entscheidungsprozessen für die weitere Entwicklung der Gesellschaft und für den Umgang mit sozialer Ungleichheit?

Programm: https://www.ilw.uni-stuttgart.de/institut/aktuelles/news/Ringvorlesung-Digital-Humanities-Digitales-Wissen/

Netzwerk Stuttgarter Schule

Seminar, Sommersemester 2018

In den 1950er und 1960er Jahren entwickelt sich Stuttgart zu einem Zentrum literarischer, künstlerischer und theoretischer Entwürfe, die ausdrücklich und programmatisch auf die Herausforderungen einer technischen Moderne reagieren. Konkrete Poesie, Computerkunst und eine informationstheoretisch orientierte Ästhetik entwickeln sich in einem engen Austausch ihrer jeweiligen Protagonist*innen, der in Ausstellungen und Textpräsentationen, Buchläden und Galerien, Seminaren und Colloquien stattfindet. Ihren Ausdruck findet diese im Zusammenspiel von Kunst und Wissenschaft entwickelte Ästhetik in philosophischen Entwürfen ebenso wie in Werken der Text- und Bildkünste. In der Forschung wird dieser Zusammenhang als ‘Stuttgarter Schule’ bezeichnet (Geulen 2008, Klütsch 2012). Dabei ist damit in aller Regel ein eher unbestimmter Personenkreis um den Philosophen Max Bense gemeint, der als Professor an der Technischen Hochschule Stuttgart eine wichtige Rolle für die Entwicklung einer informationstheoretisch orientierten Ästhetik spielt. Eine genauere kultur- und wissenschaftsgeschichtlich begründete Beschreibung und Darstellung dieser Stuttgarter Schule steht aber noch aus.

Die Aufgabe des Seminars ist deshalb, den historischen sozialen Zusammenhang von Personen, Institutionen und Ereignissen, die zum Umfeld der Stuttgarter Schule gezählt werden können, zu rekonstruieren und wissenschafts- und kulturgeschichtlich zu reflektieren. Fokussiert wird dabei auf vier Bereiche: a) Konkrete Poesie, b) Computergrafik und computergestützte Textgeneratoren, c) das Korrespondenznetzwerk von Max Bense und d) das Max-Bense-Kolloquium. Das Seminar arbeitet dabei projektorientiert. Das bedeutet, dass die genannten Unterpunkte von Projektgruppen im Seminar bearbeitet werden. Die Ergebnisse werden im Seminar zusammengeführt. Die Erhebung und Auswertung der Daten erfolgt computergestützt. Entsprechende methodische und technische Kenntnisse werden im Verlauf des Seminars vermittelt und sind keine Voraussetzung für eine Teilnahme am Seminar.

Computational Creativity

Projektseminar, Sommersemester 2018

Die Poetiken des frühen 18. Jahrhunderts wussten, dass ein guter Poet seine Kunst durch die richtige Beschäftigung mit den richtigen Beispielen lernt (Gottsched 1729). Das erste und einzige Genie der deutschen Literatur (Goethe) war noch nicht geboren und Kreativität im Sinne der Herstellung von besonders neuen und individuell geprägten Artefakten war ohne Bedeutung. Im Gegenteil lag die höchste Kunst darin, nach den gegebenen Regeln zu dichten. Wenn computergestützte Textgeneratoren, die mit maschinellen Lernverfahren arbeiten, nun nichts anderes tun, als Regeln aus einem Corpus poetischer Texte zu extrahieren, um dann neue Texte nach eben diesen Regeln herzustellen, dann dürfen diese Texte wohl mit Fug und Recht in diesem Sinn ‘poetisch’ heißen.

Aufgabe des Projektseminars ist es, einen solchen poetischen Textgenerator zu entwerfen und zu implementieren. Entwickelt wird dabei iterativ, das heißt von einfachen Prototypen hin zu komplexeren Modellen und Verfahren. Parallel dazu sind, zur Inspiration, einige Ansätze zu sichten, angefangen mit den Liebesbriefen des Manchester University Computer (1954) über den ersten Chatbot ELIZA (1976) bis zur Wiederkehr Shakespeares als neuronales Netz (2015).

Schönheit messen. Geschichte und Theorie der Informationsästhetik

Seminar, Wintersemester 2017/18

Gegenstand des Seminars ist eine informationstheoretische Wende in der Ästhetik in den 1950er und 1960er Jahren, die bereits von ihren Protagonisten mit dem Begriff der “Informationsästhetik” beschrieben wird. Die Entwicklung dieses Ansatzes basiert dabei auf einer engen Wechselwirkung wissenschaftlicher Theoriebildung und künstlerischer Praxis. In Anlehnung an eine rationalistische Wissenschaftsauffassung versteht sich die Informationsästhetik als eine “Exakte Ästhetik” (Zeitschriftentitel), die eine objektive Kunstkritik ermöglichen soll. Damit rücken messbare und also berechenbare Eigenschaften von Kunstwerken in den Blick oder werden überhaupt erst entwickelt. Gleichzeitig entsteht eine künstlerische Praxis, die ihre Werke auf Basis solcher Eigenschaften mit Hilfe von Computern generiert und damit Kunst und Wissenschaft in eine enge Wechselwirkung bringt.

Ein Zentrum dieser Entwicklung ist die Region Stuttgart. Hier begegnen sich Konkrete Poesie, frühe Computergrafik, computergenerierte Texte, kybernetische und informationsästhetische Theoriebildung in einem engen Zusammenhang aus universitären Colloquien, Galerien und Buchläden mit Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und Lesungen, hinzu kommen Zeitschriftenpublikationen und Buchreihen.

Im Seminar werden einführend die grundlegenden Konzepte der Informationsästhetik anhand von theoretischen Texten und informationsästhetischen Kunst- und Textanalysen erarbeitet. Ergänzend werfen wir einen Blick auf die kulturgeschichtlichen Kontexte, also Konkrete Poesie, Computergrafik und computergenerierte Texte, Informationstheorie, Kybernetik. Und schließlich unternehmen wir eine konkrete wissenschaftsgeschichtliche Studie zum historischen Netzwerk der sogenannten Stuttgarter Schule. In diesem praktischen Teil des Seminars rekonstruieren wir das historische Netzwerk von Personen und Institutionen, in dem die Entwicklung der Informationsästhetik maßgeblich vorangetrieben wird. Zu diesem Zweck identifizieren wir gemeinsam maßgebliche Protagonisten, wichtige Institutionen, einschlägige Ereignisse. Ausgewertet werden etwa autobiografische Berichte, einschlägige Zeitschriften, Zeitungsarchive (gezielte Suchen) usw. Unterstützt wird diese Arbeit durch eine spezielle Datenbank (Graphdatenbank), mit der die Rechercheergebnisse gespeichert und dargestellt werden können.

Für die Teilnahme am Seminar sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich.

Publikumsrezensionen aus gattungstheoretischer Perspektive

Seminar, Sommersemester 2017

Der Begriff “Publikumsrezensionen” bezieht sich auf Rezensionen von literarischen Texten und Sachbüchern, die von LeserInnen und Lesern geschrieben und auf dig italen Plattformen (Leser*innenplattformen, Verkaufsplattformen, Foren) veröffentlicht werden. Ziel des Seminars ist die Zusammenstellung textsortenspezifischer und gattungspoetischer Merkmale von Publikumsrezensionen, die neben den Texten selbst auch ih re pragmatischen Zusammenhänge und ihre mediale Verfasstheit berücksichtigen.

Aufgrund der noch sehr jungen Geschichte dieser Gattung liegen bisher keine umfanssenden gattungstheoretischen oder gattungspoetischen Beschreibungen vor. Neben der Sichtung einiger aktueller Ansätze arbeiten wir im Laufe des Semesters daher intensiv und exzessiv mit Texten und Daten, um einige Merkmale der Gattung zu identifizieren. Im Anschluss an Einzeltextanalysen zur Erhebung spezifischer Eigenschaften werden computergestützte Verfahren zur weiteren Analyse und Beschreibung des Materials gemeinsam entwickelt und umgesetzt – neue Medien erfordern neue Methoden (und bringen neue Methoden hervor). Neben einer Auswertung der Texte selbst sind hier auch die Kontextdaten interessant, etwa zur Erforschung und Darstellung der Vernetzung von Rezensent*innen.

Die Entwicklung der Gattung basiert maßgeblich auf der Etablierung digitaler Kommunikationsmedien und digitaler Kommunikationsinfrastrukturen, und hier insbesondere auf der Entwicklung von Plattformen und Funktionen, die unter dem Label Web 2.0 oder social media firmieren. Publikumsrezensionen zeigen in diesem Zusammenhang einen digitalen “Strukturwandel der Öffentlichkeit” (Habermas) an, der weitgehende Auswirkungen hat, etwa auf Autorschaftskonzepte, Kanonbildung und Publikumsstruktur. In dieser kultur- und mediengeschichtlichen Dimension fragt das Seminar schließlich nach Implikationen dieses Strukturwandels für literarische Öffentlichkeiten. Was passiert mit der literarischen Öffentlichkeit, wenn klassische Massenmedien, vor allem Printmedien, durch digitale Medien ergänzt oder abgelöst werden? Wie lässt sich die Struktur einer literarischen Öffentlichkeit von Publikumsrezensionen beschreiben? In welchem Verhältnis stehen Publikumsrezensionen und Feuilleton? Welche Formen literarischer Öffentlichkeit lassen sich mit Blick auf Emanzipationspotenziale im Digitalen, auf die sharing economy oder den Plattformkapitalismus unterscheiden?

Publikumsrezensionen

Projektseminar, Sommersemester 2017

Ziel des Projektseminars ist die explorative Analyse von Publikumsrezensionen mit dem Ziel einer Zusammenstellung textsortenspezifischer Merkmale, die neben den Texten selbst auch weitere verfügbare Datenpunkte einbezieht (Wertungen, Netzwerke usw.). Der Begriff “Publikumsrezensionen” bezieht sich auf Rezensionen von literarischen Texten und Sachbüchern, die von LeserInnen und Lesern geschrieben und auf entsprechend ausgerichteten Social-Media-Plattformen, Verkaufsplattformen oder in Foren veröffentlicht werden. Für die Analysen stehen bereits strukturierte Daten zur Verfügung (Amazon, Goodreads), die durch weitere Daten ergänzt werden können. Die Möglichkeiten für explorative Analysen sind vielfältig und werden zu Beginn und im Verlauf des Projektseminars gemeinsam definiert.

Das Projektseminar findet in Verbindung mit einem stärker literaturwissenschaftlich und gattungstheoretisch ausgerichteten Seminar statt, in dem es ebenfalls um die Herausarbeitung gattungsbestimmender Merkmale geht. Die punktuelle Zusammenarbeit beider Gruppen bietet die Möglichkeit, historische, qualitative und quantitative Aspekte der Gattung und Textsorte Publikumsrezensionen zu erheben, zueinander in Bezug zu setzen und punktuell gemeinsam zu diskutieren.

Digitale Poesie

Wintersemester 2016/17

Die Zeichenfolge :(){:|:&};: ist lesbar, aber kaum verständlich. An die richtige Adresse gerichtet, an einen entsprechend eingerichteten Computer, entfaltet sie allerdings wirklichkeitsbestimmende Kraft und führt in wenigen Sekunden zum Systemabsturz.

Der für das Seminar maßgebliche Begriff digitaler Poesie leitet sich von dieser Zeichenfolge ab und nimmt sowohl operative als auch poetische Aspekte computergenerierter Texte in den Blick, also nicht nur die fertigen, meist in Gedichtform präsentierten Texte, sondern auch das jeweilige System ihrer Herstellung.

Im Mittelpunkt stehen literarische und technische Ansätze von 1950 bis 1980 (mit einem Ausblick bis heute), die den Computer als Instrument nutzen, das mit einer entsprechenden Programmierung eigenständig Text erzeugt. Technisch und ästhetisch ist die Entwicklung solcher Textgeneratoren an eine wissensgeschichtliche Konstellation aus Kybernetik, Konkreter Poesie und generativer Ästhetik gebunden, die im Seminar anhand programmatischer und poetischer Texte von u.a. Eugen Gomringer, Max Bense, Norbert Wiener, Alan Turing erforscht wird.

Schließlich zielt das Seminar auf eine genaue Rekonstruktion ausgewählter Textgeneratoren, die einen Nachbau mit einer zeitgenössischen Programmiersprache (Python) erlaubt. Das bedeutet, dass in den Fällen, in denen die Regeln zur Textsynthese nicht explizit dokumentiert sind, diese Regeln aus den verfügbaren generierten Texten ermittelt werden müssen. Dieser Punkt wird gemeinsam von den Studiengängen Digital Humanities und Germanistik realisiert, für die Teilnahme sind daher keine Programmierkenntnisse erforderlich. Wichtigste Voraussetzung ist vielmehr das Interesse, mit zwar lesbaren, aber zunächst unverständlichen Texten umzugehen und dafür Beschreibungen und Analysen zu entwickeln.

Barthold Heinrich Brockes’ Irdisches Vergnügen in Gott in ökokritischen Perspektiven

Wintersemester 2013/14, Greifswald

In Barthold Heinrich Brockes’ Gedichtsammlung “Irdisches Vergnügen in Gott” (1721-1748) schneiden sich zahlreiche Diskurse der neuzeitlichen Wissenschaften. Dazu zählen unter anderem Optik (Newton), Meteorologie, Astronomie und Gartenbau. Die intensive Beschäftigung der Texte mit der Natur beschränkt sich dabei nicht auf die Wiederholung wissenschaftlicher Erkenntnisse und ästhetischer Normen, sondern zeugt selbst von einem Wandel dessen, was uns als “Natur” meist als gegeben erscheint. Aus ökokritischen Perspektiven geht es deshalb zunächst darum nachzuzeichnen, in welcher Form, auf welche Weise “Natur” in den Texten konstruiert und ästhetisch erfahrbar gemacht wird. Neben der parallelen Lektüre von Texten des “Irdischen Vergnügens” und zeitgenössischer wissenschaftlicher Texte geht es im Seminar insbesondere um die Frage nach den Verknüpfungen von Naturbeschreibung und ihrer Einbettung in eine umfassende Welterzählung, rhetorischen Normen und ästhetischen Strategien und Techniken.

Das Seminar bietet damit einen Durchgang durch einige der für die Frühaufklärung zentralen Diskurse der Wissenschaften und der Ästhetik sowie die intensive Lektüre frühaufklärerischer Naturpoesie. Grundvoraussetzung ist, dass Sie bereit sind, sich von den Texten an die Ränder Ihres Wissens führen zu lassen, um bei der Lektüre den Boden zu verlieren - und ihn wieder zu finden.

Medientheorien

Sommersemester 2011, Greifswald

Das Seminar beschäftigt sich mit der Frage “Was ist ein Medium?”, die je nach Theorie unterschiedlich gestellt werden kann, unterschiedlichen Bedingungen folgt und unterschiedliche Konsequenzen für weitere Fragen - u.a. an literarische Texte - hat. Wer ein Spiegelkabinett besucht, kann die Erfahrung machen, dass durch die Spiegel ein hundertfacher Raum zu sehen ist; betreten werden kann er aber nicht (es sei denn, Sie befinden sich auf direktem Weg ins Wunderland). Bei genauer Betrachtung einer Spiegelwand lässt sich bemerken, dass die Wand so durchsichtig nicht ist. Es gibt kleine Kratzer, Riefen und Löcher - der Raum verschwimmt und der Spiegel wird sichtbar. Im Seminar werden wir versuchen, auf ähnliche Weise Buchseiten, Schriftzeichen, Mattscheiben und andere Medien in den Blick zu nehmen, um dann zu überlegen, welche Fragen aus dieser Perspektive an literarische Texte gestellt werden können. Denn Medien, so ließe sich aus dem Spiegelbeispiel schließen, schaffen Räume und bedingen Wahrnehmungsweisen, setzen Unterschiede, wie sie Verbindungen herstellen. Anhand der Lektüre einschlägiger medientheoretischer Texte geht es im Seminar darum, diese Probleme systematisch und historisch zu entfalten. Zwei Schwerpunkte liegen dabei auf den Medien Schrift und Bild. Zur Entwicklung konkreter literaturanalytischer Fragen arbeiten wir ergänzend mit literarischen und programmatischen Texten der Romantik und, je nach Interessenlage, der Neuen Sachlichkeit (im Anschluss an die beiden literaturgeschichtlich orientierten Seminare des Moduls). Welche Rolle spielt die historisch je spezifische Schriftlichkeit von Texten für die Verhältnisse von Schreiben und Lesen? Wie reflektieren Texte ihre eigene Medialität und wie lassen sie sich auf diese Reflexionen hin befragen? Wie ist das Medium verfasst, das Sie in Händen hält?